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Aufnahmen aus lange vergangener Zeit

US-Soldat fotografierte deutsche Kriegsgräber in Italien

Eine Fotostrecke finden Sie am Ende des Textes

 

Post aus den USA. Emy Peasha aus Plymouth hat uns im Januar einige Foto-Negative und ein paar kleine Schwarzweiß-Aufnahmen aus dem Nachlass ihres Vaters geschickt. Es sind jene Kleinformate mit gezacktem weißem Rand, wie sie bis in die 1950er Jahre üblich waren. Sie zeigen deutsche Soldatengräber in Italien, aufgenommen wahrscheinlich 1945 von Emys Vater, der damals Panzerkommandant in der US-Armee war.

Emil Werkmeister sei ein leidenschaftlicher Hobby-Fotograf gewesen, schreibt Emy. Seine Kamera habe ihr Vater fast immer bei sich gehabt. Auch während des Krieges, der ihn unter anderem ins nordöstliche Italien verschlagen hatte. Die meisten Fotos stammen aus der Emilia-Romagna, andere zeigen Friedhöfe in Umbrien, beides Nachbarregionen der Toskana. Aber Werkmeister ist auch auf der anderen Seite der Adria gewesen. Denn auf einem Foto sind Gräber deutscher Gefallener in der jugoslawischen Stadt Novi, heute Kroatien, zu erkennen.

Die Aufnahmen führen die Betrachter in eine längst vergangene Zeit. Den Grabhügeln mit den hölzernen Kreuzen ist anzusehen, dass sie erst vor kurzem auf den zivilen Friedhöfen der Einheimischen angelegt wurden. Manche zieren noch im Verwelken begriffene Blumen und Kränze. Aber diese Gräber existieren schon lange nicht mehr.

Die Umgebung der Friedhöfe entspricht vielfach den Mittelmeer-Sehnsüchten der westdeutschen Urlauber, die in den 1950er und 60er Jahren zu Tausenden über die Alpen in den Süden aufbrachen. Just in jener Zeit wurden die fotografierten Gräber aufgelöst. Volksbundmitarbeiter überführten die Toten zu den zentralen deutschen Kriegsgräberstätten in Pomezia bei Rom, auf dem Futa-Pass im Apennin und in Costermano im Hinterland des Gardasees.

An 3 000 Orten zwischen Sizilien und Südtirol gab es 1945 deutsche Soldatengräber, etwa 107 000. Es war unmöglich, sie alle zu erhalten. Deshalb wurden sie – wie in anderen Ländern auch – zusammengelegt. Heute gibt es in Italien elf deutsche Kriegsgräberstätten mit Toten des Zweiten Weltkrieges. Die Gräber im damaligen Jugoslawien aber konnten in jener Zeit nicht auf diese Weise gesichert werden.

Emil Werkmeister wurde 1906 in St Louis, Missouri geboren und starb im Alter von 92 Jahren in Minneapolis. Sein Vater stammte aus Deutschland. Daher kam es wohl auch, dass Emil Deutsch sprach, und daher rührte vielleicht auch sein Interesse an den deutschen Soldatengräbern. In seiner Familie ist es wie in vielen anderen Familien auch: Seine Nachkommen wissen nur noch wenig über sein Leben als Soldat.

Es war ungewiss, in welchen Gemeinden die Fotos aufgenommen wurden. Christian Reith, der zurzeit ein Praktikum im Volksbund-Archiv macht, aber hat anhand der lesbaren Namen auf den Kreuzen und dank der Unterstützung durch Beate Kalbhenn vom Referat Gräbernachweis und Angehörigenbetreuung fast alle Orte ermitteln können.

(FK)